Schon vor 38 - 54 Millionen Jahren gab es eine Seekuhart (Protosiren). Sie lebte in flachen tropischen Gewässern der Karibik und des Westatlantiks.
Seekühe gehören zur Ordnung der Sirenia. Diese Ordnung wird von zwei Familien vertreten, den Gabelschwanz - Seekühen (Dugongidae) und den Rundschwanz - Seekühen (Trichechidae).
Zur Familie der Rundschwanz - Seekühe gehören:
1. das Nagel - Manati (Trichechus manatus)
2. das Fluß - Manati (Trichechus inunguis) und
3. das Afrikanische Manati (Trichechus senegalensis).
Die Familie der Gabelschwanz - Seekühe hat nur ein Mitglied, den Dugong (Dugong dugong). Allerdings wird heute auch die im 17. Jahrhundert ausgestorbene Stellersche Seekuh (Hydrodamalis gigas) zu den Gabelschwanz - Seekühen gezählt.
Der Dugong erreicht bei einer Länge von ca. 3,30 Meter ein Gewicht von 400kg. Ähnlich wie die Wale verfügt auch der Dugong über ein stromlinienförmigen Körperbau. Mit der in den meisten Fällen vorhandenen deutlichen Einkerbung in der Schwanzflosse ist der Dugong dem Wal auch hier sehr ähnlich. Die Nasenlöcher des Dugongs liegen weiter hinten Am Kopf als die der Manatis. Im Maul der Dugongs befinden sich 4 Schneidezähne im Oberkiefer, 6 Schneidezähne im Unterkiefer und 2 Eckzähne. Von den 12 Backenzähne bleiben den älteren Tieren nur noch 2-3 in jeder Kieferhälfte erhalten. Das Maul der Dugongs ist mit dichten kurzen Haaren bewachsen. Auch auf dem restlichen Körper wachsen Haare. Diese sind allerdings nur sehr spärlich vorhanden. Außerdem sind sie sehr weich. Die Brustflossen (35 - 45cm lang) der Dugongs haben eine oval - paddelförmige Form. Das Farbige Erscheinungsbild der Dugongs kann von schiefergrau bis bräunlich gehen. Die Rücken- und Bauchpartien sind dabei immer etwas heller. Man schätzt, daß Dugongs in etwa 70 Jahre alt werden.
Der Dugong ist das einzige Säugetier, dass als Vegetarier ausschließlich im Meer lebt. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus verschiedenen Seegras - Arten. Hierbei wird das Seegras nicht abgegrast. Es wird mitsamt der Wurzeln, welche sehr kohlenhydratreich sind, vertilgt. Eben weil die Dugongs die Wurzeln des Seegrases ausgraben und fressen, haben sie auch den Namen Seeschwein erhalten.
Wie viele Wale leben auch die Dugongs in kleinen Gruppen zusammen. Diese Gruppe besteht meist aus ca. 6 Tieren. Es soll aber auch Zusammenkünfte von mehreren hundert Tieren geben. Nach heutigen Erkenntnissen geht man davon aus, daß sich Dugongs das ganze Jahr über fortpflanzen. Hauptsächlich geschieht dies aber von Juli bis September. Dugongs werden im alter von 10 Jahren geschlechtsreif. Man vermutet, daß die Männchen um ein Weibchen kämpfen. Ist die Paarung vollendet, folgt eine Tragzeit von 13 - 14 Monaten. Das Junge ist bei der Geburt 1 - 1,5 Meter lang und 20 kg schwer und wird zwei Jahre von der Mutter gestillt. Der Nachwuchs der Dugongs kann schon ziemlich früh feste Nahrung aufnehmen. Doch ist der lange Kontakt zur Mutter nötig, damit das Junge lernt, wie man wo Nahrung beschaffen kann und wo sich die Überwinterungsgebiete befinden. Da die Jungen so lange bei der Mutter bleiben, bringt diese im Laufe ihres Lebens nur 5 - 6 Junge zur Welt.
Die Zahl der Individuen bei den einzelnen Populationen ist nicht gleichmäßig verteilt. Die größte Population ist in Australien zu finden. Die Population von Somalia bis Mozambique schätzt man auf einige hundert Tiere. Im persischen Golf werden etwa 6000 Tiere vermutet und im Roten Meer etwa 4000. Es steht aber fest, daß sie in einigen ihrer Ursprünglichen Verbreitungsgebiete bereits ausgestorben sind. Dugongs gelten als stark gefährdet. Sie werden in einigen Gebieten bejagt. Auch die Fischerei bedroht den Bestand dieser Tiere. In den sogenannten Geisternetzen verfangen sie sich. Ist dies erst einmal geschehen, sind die Tiere verloren. Sie können nicht mehr zum atmen an die Oberfläche und ersticken qualvoll. Auch die Meeresverschmutzung (speziell mit Öl) hat sehr negative Auswirkungen auf die Population der Dugongs. Hinzu kommt, daß mehr und mehr die Küstenregionen verbaut werde. Mit dieser Verbauung kommen auch die Menschen, welche die Dugongs sehr beeinträchtigen. Heute sind alle Populationen der Dugongs, durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt. Sie werden alle in Anhang I geführt. Eine Ausnahme bildet hier die australische Population. Diese wird nur auf Anhang II geführt.
Bei einem Gewicht von bis zu 1590 kg erreichen Nagel - Manatis eine Länge von bis zu 3,90 Meter. Das Nagel - Manati hat eine rundlichere Körperform wie der Dugong. Die Brustflossen sind lang und biegsam. Die Enden sind sie abgerundet und verfügen über 3 - 4 Nägel. Auch die Schwanzflosse ist abgerundet. Sie verfügt nicht über eine Einkerbung, wie die der Dugongs. Auch die Schnauze der Nagel - Manatis hat eine rundliche Form. Auf der Oberlippe wachsen auch beim Nagel - Manati, ähnlich wie beim Dugong, borstige Haare auf der Oberlippe. Im Maul der Nage - Manatis befinden sich 5 - 7 Paare Backenzähne. Diese wandern immer wieder nach vorne. Dort werden sie abgestoßen, sobald sie abgenutzt sind. Anders als bei den Dugongs sitzen die Nasenlöcher bei den Nagel - Manatis an der Schnauzenspitze. Gleich mit den Dugongs haben die Nagel - Manatis den spärlichen Haarwuchs auf dem Körper. Diese Haare sind, genau wie bei den Dugongs sehr fein und weich. Nagel - Manatis haben eine gräulich graue Färbung, welche durch den Algenbewuchs oft grün wirkt.
Nagel - Manatis ernähren sich von Seegras, Algen, Wasserhyazinthen und anderen Wasserpflanzen.
Genau wie die Dungongs haben auch die Nagel - Manatis keine feste Fortpflanzungszeit. Die Tragezeit der Nagel - Manatis ist etwas kürzer als die der Dugongs. Nach etwa 12 Monaten wird das Junge geboren. Es hat eine dunkel-graue bis schwarze Färbung und ist ca. 1,2 Meter lang und etwa 30 kg schwer. Genau wie bei den Dugongs bleibt das Jungtier auch hier etwa zwei Jahre bei der Mutter. Die Jungtiere der Nagel - Manatis wachsen in Mutter - Kind - Gruppen oder in Gruppen von bis zu 6 Tieren auf. Ist es sehr kalt, kommen große Gruppen in Warmwassergebieten zusammen.
Nagel - Manatis sind, genau wie die Dugongs, stark gefährdet. Auch sie sind im Washingtoner - Artenschutzübereinkommen auf Anhang I geführt. Sie leiden sehr durch die ständige Veränderung ihrer Umwelt. Auch diese Art wird Heute noch bejagt, wogen Sea Shepherd 1998 vorging. Eine sehr große Gefahr geht auch von dem immer größer werdenden Sportbootverkehr aus. Die Boote sind zu schnell. Dies hat zur Folge, daß die schwimmenden Manatis nicht gesehen werden. Häufig kommt es so zu Zusammenstößen, die oft auch zum Tod der betreffenden Tiere führen (s. a. www.projecktbluesea.de/ocean/seekuehe.html). Den Bestand der Tiere in Florida schätzt man auf etwa 2000 Individuen. Die Größe der anderen Populationen ist unbekannt.
Mit einer Länge von bis zu 3 Metern und einem Gewicht von mindestens 450 kg ist das Fluß - Manati die kleinste Manati - Art. Außerdem sind sie die schlankste Manati - Art. Ihre Brustflossen sind länglich - rund. Anders als die Nagel - Manatis verfügen diese nicht über Nägel. Gleich ist ihnen mit den Nagel - Manatis, daß sich in ihrem Maul 5 - 7 Paar Backenzähne befinden. Auch beim Fluß - Manati wandern diese nach vorne und werden abgestoßen, wenn sie stumpf sind. Die Tiere sind gräulich bis schwarz gefärbt, wobei Brust und Bauch weiß-liche oder rosane Färbungen aufweisen.
Fluß - Manatis ernähren sich von höheren Pflanzen, was Algen als Nahrung ausschließt. Wenn das Nahrungsaufkommen es verlangt, sind die Fluß - Mana-tis dazu in der Lage, über mehrere Monate zu fasten.
Die Fortpflanzungszeit der Nagel Manatis ist auf die Flutzeit festgelegt. Diese ist meist im Februar bis Mai. Die Tragezeit der Fluß - Manatis beträgt 12 Monate. Nach dieser Zeit erblickt ein ca. 90 cm langes Junges das Licht der Welt, welches 10 - 15 kg schwer ist. Genau wie bei Dugong und Nagel - Manati bleibt das Junge auch beim Fluß - Manati zwei Jahre bei der Mutter.
Leider gilt auch das Fluß - Manati als stark gefährdet und ist beim Washingtoner Artenschutzabkommen auf Anhang I zu finden. Ein großes Problem für die Population stellt die starke Bejagung dar. Eine weitere große Gefahr ist der Bau von Staudämmen, wovon es schon jetzt zu viele gibt. Diese trennen die Populationen und gefährden so ihr überleben. Die "übliche" Verschmutzung der Gewässer setzt den Tieren zusätzlich zu. Über Bestandszahlen des Fluß - Manatis gibt es keine Informationen.
Das Afrikanische Manati erreicht bei einer Länge von 3 - 4 Metern ein Gewicht von bis zu 750 kg. Sie sehen den Nagel - Manatis sehr ähnlich. Auch sie verfügen über Brustflossen mit Nägeln. Ihre Körper haben eine gräulich - braune Färbung. Ihre Haut ist spärlich mit weißem, weichem Haar bewachsen.
Es ist nicht viel über die Ernährung und Fortpflanzung des Afrikanischen Manati bekannt. Man geht aber davon aus, daß sie sich hierbei ähnlich verhalten wie das Nagel - Manati.
Der Bestand des Afrikanischen Manati ist stark bedroht. Auch er ist beim Washingtoner Artenschutzabkommen auf Anhang I zu finden. Die Gründe für seine Bedrohung ist die selbe, wie bei den anderen Arten. Es gibt leider keine Zahlen über die derzeitige Populationsgröße.